Schluss mit Lockangeboten für Flugtickets

19.07.2008
Jeder, der im Internet schon einmal einen Flug gebucht hat, kennt den Trick: Auf der Website der Airlines steht «London für 9,99 Euro», doch mit Gebühren ist der Flug teurer. Solch irreführende Preisangaben sind künftig nicht mehr möglich.

Fluggäste in der Europäischen Union können bald die Preise für Flugtickets besser vergleichen. Das Europaparlament stimmte am Mittwoch in Straßburg für ein Verbot irreführender Lockangebote.

Das Gesetz, das in den nächsten Monaten in Kraft tritt, verlangt korrekte Preisangaben. Passagiere müssen bereits bei der Buchung, auch per Internet, über die tatsächlichen Preise und anfallenden Kosten wie Steuern, Flughafen- oder Buchungsgebühren informiert werden. Betroffen sind vor allem Billigflieger mit sehr günstigen Werbe-Angeboten, die sich bei der Buchung als sehr viel teurer herausstellen.

«Mit dem heutigen Beschluss haben wir endgültig Klarheit und ein hohes Maß an Verbraucherschutz geschaffen. Damit ist dieser Sommerurlaub der letzte, in dem man bei Ticketpreisen lieber zweimal hinschauen sollte», sagte der SPD-Verkehrsexperte Ulrich Stockmann.

Keine «Paket-Angebote» mehr erlaubt
Das Verbot gilt für alle Anbieter in der Europäischen Union. Es darf auch keine «Paket-Angebote» mehr im Internet geben, wo beispielsweise Versicherungen mit inbegriffen sind. Die Verbraucher sollen die Möglichkeit haben, Zusatzleistungen per Mausklick dem Ticket hinzuzufügen. Für die Mitnahme zusätzlicher Gepäckstücke können die Fluggesellschaften allerdings einen Aufpreis verlangen.
«Die Trickserei mit Lockangeboten muss ein Ende haben», sagte die CDU-Europaabgeordnete Elisabeth Jeggle. «Die Preisgestaltung muss klar und transparent sein». Sie empfiehlt trotzdem eine vorsichtige Prüfung der Angebote. Gesellschaften aus Drittstaaten ohne Sitz in der EU können im Internet weiterhin mit irreführenden Angeboten werben.

Flugesellschaften reagierten gelassen
Zwar haben sich nach Angaben der EU-Kommission bereits eine Reihe von Anbietern im Internet an die neuen Vorgaben angepasst, doch wird immer noch jeder dritte Verbraucher, der online ein Flugticket buchen will, über den wahren Preis von Flugtickets falsch informiert. Die EU-Kommission will ihre Untersuchung der Internet-Angebote bis Mai 2009 abschließen. Sollte es dann immer noch Probleme geben, will die Kommission eingreifen.
Deutsche Fluggesellschaften reagierten gelassen. «Wir haben immer eine sehr klare Preisgestaltung betrieben», sagte Air-Berlin-Sprecher Nikolaus Nowak. Auch Konkurrent Germanwings gab an, sich bereits weitgehend an die Regelungen der Richtlinie zu halten. Sprecher Heinz Joachim Schöttes räumte allerdings ein, dass das Unternehmen auf der Internetseite nun voreingestellte Häkchen bei der Auswahl einer Versicherung entfernen müsse. «Das ist das einzige, was wir umstellen.»

Offensichtlich noch Änderungsbedarf
Die irische Fluggesellschaft Ryanair erklärte, sie sehe keinen Änderungsbedarf: «Wir erfüllen diese Vorgaben bereits», sagte ein Ryanair-Sprecher in Dublin. Zumindest auf die deutschsprachige Website traf dies am Mittwoch allerdings noch nicht zu: Für einen Flug von Hahn ins portugiesische Faro am 3. September wurde im ersten Buchungsschritt nur der Grundpreis von 59,99 Euro angegeben mit dem Hinweis, über Steuern und Gebühren werde später informiert. Auf der nächsten Seite wurde deren Höhe angegeben, erst in einem weiteren Buchungsschritt ein Aufschlag für die Aufgabe von Gepäckstücken.
Nach der neuen Richtlinie müssen Aufschläge für Gepäck oder Reiseversicherungen zwar nicht in den Ticketpreis eingerechnet werden. Über solche «fakultativen Zusatzkosten» muss aber schon «zu Beginn jedes Buchungsvorgangs» informiert werden.

Quelle: Netzeitung
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