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Easyjet erwägt Klage gegen Lufthansa - Kritik an Konzept von Germanwings
22.06.2006
Berlin - Die Bandagen auf dem europäischen Billigflugmarkt werden härter. Steigende Kerosinpreise und Preissenkungen der etablierten Gesellschaften machen Easyjet und Co. das Wachstum zunehmend schwerer. Der neue Easyjet-Chef Andrew Harrison wirft der Lufthansa nun sogar vor, die von ihr kontrollierte Billigfluggesellschaft Germanwings querzusubventioniert zu haben. "Wir sind überzeugt, dass Lufthansa Germanwings quersubventioniert, um Wettbewerber aus dem Markt zu drängen", sagte Harrison in Berlin. Bei der Eröffnung neuer Strecken folge Germanwings Easyjet derzeit "wie ein unwillkommener Schatten". Angesichts der Kosten für starkes Wachstum und zusätzliche Werbung sei es nicht möglich, dass Germanwings im vorigen Jahr den ersten operativen Gewinn seit der Gründung ohne fremde Hilfe erzielt habe.
Lufthansa wies den Verdacht zurück und sprach von "wilden Spekulationen." Harrison hat seinen Verdacht bereits bei Gesprächen mit der Europäischen Kommission vorgebracht. Zu einer Klage habe sich Easyjet bislang aber nicht entschieden. "Wir beobachten das sehr genau und sammeln", sagte Harrison. "Wenn wir genügend Beweise haben, werden wir gerichtliche Schritte prüfen", fügte er hinzu.
Lufthansa aber auch British Airways setzen sich auf ihren Heimatmärkten nach Jahren des Abwartens seit einigen Monaten verstärkt mit eigenen Billigangeboten gegen Konkurrenten wie Easyjet zur Wehr. Laut Harrison geht es beiden Gesellschaften darum, die einstige Monopolstellung auf den Heimatmärkten wieder zu erreichen.
Easyjet würde die eigenen Wachstumspläne trotzdem weiter verfolgen, sagte Harrison. Die Briten wollen im Jahr 2008 in Europa mehr Passagiere befördern als die Deutsche Lufthansa. Diese transportierte in Europa im vergangenen Jahr 39,5 Millionen Fluggäste, Easyjet kam auf gut 30 Millionen Passagiere. Binnen drei Jahren solle die Zahl der Easyjet-Gäste allein in Deutschland um 50 Prozent auf sechs Millionen im Jahr erhöht werden. Für 2006 plane das Unternehmen 4,5 Millionen Passagiere, eine halbe Million mehr als 2005.
Ausbauen will Easyjet vor allem das Geschäft in Berlin-Schönefeld. Der neue Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg International (BBI) biete nun "die fantastische Gelegenheit", einen wirklichen "Airport der Zukunft" zu bauen - mit neuen Technologien etwa bei Abfertigung und Gepäckbeförderung. "Keine andere europäische Hauptstadt hat seit dem Eintritt der Billigflieger in den europäischen Flugmarkt Mitte der 90er Jahre einen bedeutenden neuen Flughafen gebaut."
Im Mai hat Easyjet insgesamt 2,94 Millionen Fluggäste und damit 15,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor befördert. Die Auslastung ging leicht von 84,1 Prozent auf 83,9 Prozent zurück. In den zwölf Monaten bis Ende Mai kletterte die Passagierzahl um 13,5 Prozent auf 31,72 Millionen. Die Auslastung sank um einen knappen Prozentpunkt auf 84,2 Prozent. Der kumulierte Umsatz erhöhte sich um 21,1 Prozent auf 1,5 Mrd. britische Pfund (rund 2,2 Mrd. Euro). Damit blieb das Wachstum bei den Briten leicht hinter Marktführer Ryanair zurück.
Quelle: Die Welt |
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