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Germania-Chef nennt Konkurrenten "Spinner"
27.07.2005
Der Chef der Fluggesellschaft Germania, Hinrich Bischoff, gibt den Billig-Airlines auf Dauer keine Chance. "Es geht nun mal nicht ohne Kosten
deckende Flugpreise", sagte Bischoff dem Magazin "Stern". "Was sich bei den Preisen abspielt, ist kaum nachvollziehbar - 29 oder 19 Euro für einen Flug."
Ein Flug von einer Stunde koste ohne Mehrwertsteuer bei einer "vernünftigen Auslastung" von 75 Prozent rund 80 Euro pro Strecke und Passagier.
Die Menschen in diesem Markt seien zum Teil "wirkliche Spinner", ergänzte der 69-Jährige. "Da werden Geschäfte gemacht, die sind in anderen Branchen unmöglich". Billigflieger werben mit teils extrem niedrigen Preisen, die häufig allerdings nur bei frühzeitiger Buchung und für ein begrenztes, oft relativ kleines Kontingent gelten. Angebote für Flüge zu 19 Euro seien "Lockangebote für Werbegags - nichts weiter", so Bischoff.
Von deutschen Flughäfen starten als Billig-Fluggesellschaften die britische
Easyjet, die irische Ryanair sowie Germanwings, Air Berlin, DBA und Hapag-Lloyd
Express. Im Gegensatz zu den Billig-Airlines fliegt Germania zu Festpreisen.
Einige Billig-Fluggesellschaften mussten den Betrieb nach wenigen Monaten
bereits wieder einstellen. Dazu zählten 2002/03 der Flop mit Berlinjet und im
Herbst 2004 die Insolvenz von Volare. Zudem fusionierten Airlines des Sektors:
Gexx gab den Großteil seiner Strecken an DBA ab, die Gesellschaft Go ging in
Easyjet auf.
Einstieg bei DBA rückgängig gemacht
Der wieder rückgängig gemachte Einstieg von Germania bei der deutschen Fluggesellschaft DBA hing laut Bischoff mit der unterschiedlichen Bezahlung der Crews zusammen. "Wir bezahlen im Schnitt für eine Crew - Pilot und Copilot - rund 130.000 Euro. Dafür fliegen unsere Crews im Schnitt knapp 880 Stunden. Die DBA-Crews fliegen nur 560 Stunden und kassieren im Schnitt 263.000 Euro." Die DBA-Crewmitarbeiter kosteten also das Doppelte, "und fliegen fast 40 Prozent weniger".
Er habe nach dem Einstieg seine "knallharte" Linie nicht durchsetzen können, um diesen Nachteil abzubauen, ergänzte der Germania-Chef. Notfalls
wären auch Änderungskündigungen und Streiks in Kauf zu nehmen gewesen, sagte Bischoff. Deshalb sei er bei der DBA wieder ausgestiegen.
Im März hatte Bischoff die Mehrheit an der DBA übernommen, hatte das Geschäft aber nach drei Monaten wieder rückgängig gemacht. Der DBA räumt Bischoff kaum
Überlebenschancen ein. "Die DBA arbeitet auf fast allen Feldern viel zu teuer." Ohne eine "grundlegende Sanierung der Kostenstruktur" werde das Unternehmen
mittelfristig keine Chance haben. "Wir hätten keine Überlebenschance in diesem Geschäft, wenn wir mit DBA-Kosten arbeiten würden."
Quelle: Magazin "Stern" |
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